Immersives Flackern

Neulich saß ich in einer Jury. Es ging um die Bewertung innovativer Ideen für das Theater. Natürlich tagte die Jury virtuell, was keine Innovation darstellen sollte, sondern den derzeitigen Umständen geschuldet ist.

Das ich mich in dieser Jury fehl am Platze fühlte, lag nicht an Corona und dem Videomeeting, es lag daran, dass Projekte zur Diskussion standen, die mich ratlos machen.

Bisher glaubte ich, nicht altmodisch zu sein und wusste, dass es heute zu den elementaren Bedürfnissen innovativer Ideen gehört, erst einmal dem von alten, weißen Männern dominierten Kanon der Theaterliteratur den Garaus machen zu wollen. Alles klar, sowieso. Und heute gibt es keine Theateraufführungen mehr sondern performances. Doch das genügt nicht. Ich lernte, dass eine Innovation darin liegen könne, partizipatorische Performances zu kreieren. Schon das habe ich nicht verstanden.

Bisher glaubte ich, dass der Sinn des Theaters auch und vor allem darin besteht, dass Eine, Einer, Eines etwas für Publikum aufführt. Mir hat das bisher genügt. Ich habe mehr als 60 Jahre partizipiert. Schlägt ein Schauspieler den Kragen hoch, fühlte ich die ihn umgebende Kälte, ohne dass es im Zuschaueeraum gleich ungemütlich werden musste. Ich wusste, dass das Eis am Fenster der Mansarde der Pariser Boheme in Wirklichkeit kunstvoll im Malsaal entstanden war und war dennoch den Tränen nahe, als Mimi starb. Jedesmal. Ich war immersiv eingetaucht, wie man heute sagt, wenn Hamlet mit dem Geist sprach und die Stimme seines ermordeten Vaters hörte, wenngleich gar keine zweite Person auf der Bühne war. (Das war noch vor der inflationären Verwendung von Videos.) 

Auch habe ich es bisher eher gefürchtet, selbst mitspielen zu müssen. Stellt man beim Blick auf das abendliche Ticket fest, dass man in der ersten Reihe sitzt, fürchtet man darum, den guten Anzug unversehrt nach Hause zu bringen.

Wenn ich jetzt und in Zukunft aber eine Kastenbrille aufsetzen soll und mit Joysticks verkabelt werde, um mir dann von Chatbots geschriebene Texte, die von ruckelnden, eckigen Avataren mit synthetischer Stimme und begleitet von zuckenden Lichtblitzen dargeboten werden – dann bleibe ich lieber zu Hause. Wie in den letzten 14 Monaten. Oder ich gehe nur noch ins Konzert. Dort werden sie hoffentlich weiterhin ganz altmodisch einfach die Noten spielen, die in der Partitur stehen und ich kann die Augen schließen und mir vorstellen, was ich will und niemanden sagen möchte.

In eine Jury gehe ich auch nicht mehr.

ReMarkable2 – neu – aber wirklich besser?

 

 

Die norwegischen Erfinder des ReMarkable haben eine neue zweite Version vor einigen Wochen auf dem Markt gebracht. Begleitet von einer umfassenden Kampagne haben sie sich kräftig ins Zeug gelegt.

Wer bereits ein rM1 besaß und rechtzeitig bestellte, bekam schon im Dezember sein neues Gerät. Auf den ersten Blick ist das rM2 schicker, schöner designed, insgesamt hochwertiger im Erscheinungsbild. Aber ist auch wirklich besser?

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Eine analoge Alternative im Digitalen

Für alle die, die gelegentlich des Tippens und Wischens auf Bildschirmen und dem Hämmern auf Tastaturen, dem Mausklicken in den zahllosen Programmen, Apps usw, überdrüssig sind, die einfach nur mal schnell einen Gedanken skizzieren wollen, ohne mit Schrecken feststellen zu müssen, dass der Digital Pencil nur 10% Energieladung besitzt oder man bei Sonne auf dem Display nichts erkennen kann oder wie so oft, das Netz lahm wie zu Zeiten der Akustik-Koppler-Modems ist…für alle die gibt es Alternativen.
Einfach mal wieder analog arbeiten, das Gefühl, einen Stift in der Hand zu halten, der physisch schreibt, manchmal sehnt man sich danach.

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Die faszinierende Geschichte des Mathematikers Grigorij Perelmann

Da gibt es irgendein mathematisches Superproblem, das seit Jahrzehnten keiner lösen kann.
Und dann kommt ein unbekannter russischer Mathematiker und löst es.
Dafür soll er die höchste Auszeichnung der mathematischen Wissenschaft erhalten und ein Preisgeld von 1 Million Dollar.
Und genau das lehnt er ab, beendet seine Forschungen und lebt in St.Petersburg und verweigert sich der Öffentlichkeit.
… so ungefähr geht die Geschichte, die die meisten von uns irgendwann einmal gehört haben.

Und man denkt: „Ein verrückter Russe, na klar!“
Aber so ist es natürlich nicht.

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Thomas Wolfe – Eine (Wieder-) Entdeckung

„Schau heimwärts, Engel“ gehört zu den Büchern, die man sich oft vornimmt zu lesen und dann immer wieder verschiebt, auf eine Zeit zu der mehr Zeit ist.

Ein ähnliches Schicksal erleiden die Bücher „Auf der Suche nach verlorenen Zeit“ oder „Ulysses“ oder „Phädra“.

Man hört sich selbst zu, wenn man Sätze sagt, wie :

„Wenn ich Rentner bin, dann lese ich…“

Doch dann kommt das Virus Corona und man stellt fest: Wow, jetzt ist die Zeit doch

da! Also los.

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